Klein Wien am Pruth

Wann

Sa, 09.03.2019, 19:30 Uhr


Ort

Theater Akzent
Theresianumgasse 18
1040 WIEN
Österreich
zum Routenplaner


Kategoriegruppe

Kultur

Ach, sie sind mir so bekannt ...

Die "Czernowitzer Skizzen" von Alexander Kukelka in Verbindung mit Texten und Szenen der Bukowiner Dichtung (Paul Celan, Rose Ausländer, Karl Emil Franzos u.a.).
Eine Musik- und Textcollage von Alexander Kukelka, in Kooperation von vienna clarinet connection und "Neues Wiener Musiktheater"

Czernowitzer Skizzen
"Wenn man ganz behutsam sein Ohr an das imaginäre Herz der Bukowina zu legen vermag, vernimmt man vielleicht noch den beredten Klang einer versunkenen Welt. Czernowitz: Ein Schwarzwalddorf, ein podolisches Ghetto, eine kleine Wiener Vorstadt, ein Stück tiefstes Russland, und ein Stück modernstes Amerika"

Alexander Kukelka
Geb. 1963; Komponist, Dirigent, Pianist, Autor, Regisseur
Neben Film-, Bühnen- und Instrumentalmusiken zahlreiche Opern- und Musiktheaterprojekte: Klarinettenquartett "Czernowitzer Skizzen" (2004), Musiktheater "4 Gossip Operas" (2010); Komponist preisgekrönter TV-Dokus: "Salt" (2001), "Ants" (2004)
Diverse Werkaufträge und Filmmusik-Projekte: Oratorium "Werdet Vorübergehende" (2010); Musiktheater "Donnas Traum" (2011), TV-Doku-Universum "Termiten" (2011); Lecturer an der Universität für Musik und darstellende Kunst/Filmakademie Wien.
Referent bei internationalen Foren und Symposien; Präsident des Österreichischen Komponistenbundes (ÖKB)

Martina Gedeck

absolvierte ihre Schauspielausbildung an der Universität der Künste Berlin. Ihr Theaterdebut gab sie am Frankfurter Theater am Turm, es folgten Engagements in Hamburg, Basel und Berlin. Gleichzeitig begann ihre Karriere als Filmschauspielerin. Für ihre erste Hauptrolle im Fernsehdrama "Die Hölleisengretel" wurde sie mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Die Filmbranche feierte sie seither mit nahezu allen bedeutenden Filmpreisen vom Adolf-Grimme-Preis bis zum Stern auf dem Boulevard der Stars.

International bekannt wurde sie vor allem mit "Bella Martha", dem Oscar-prämierten Film "Das Leben der Anderen", und dem Oscar-nominierten "Der Baader Meinhof Komplex".
Die Verfilmung der Marlen-Haushofer-Novelle "Wir töten Stella" ist für die 56-Jährige ein Herzensprojekt. Wie bereits bei der preisgekrönten Verfilmung von "Die Wand" vor fünf Jahren spielt Gedeck eine Frau, deren Gefühle abhandengekommen sind.

Zur Komposition:
Czernowitz: "ein Schwarzwalddorf, ein podolisches Ghetto, eine kleine Wiener Vorstadt, ein Stück tiefstes Russland, und ein Stück modernstes Amerika". Heute jedoch ist dieses Vielvölkermosaik zerstört, sind die Ethnien vertrieben und ihre Spuren ausgelöscht. Wenn man aber ganz behutsam sein Ohr an das imaginäre Herz der Bukowina zu legen vermag, vernimmt man vielleicht noch den beredten Klang einer versunkenen Welt, in der - wie Paul Celan schrieb - einst "Bücher und Menschen wohnten".

Es gibt mehrere Ebenen, welche die Auseinandersetzung mit dieser Thematik begründen. Alexander Kukelka steht dabei in einer Reihe mit Brahms, Kodály, Bartók, Stravinsky…, die sich ihrerseits schon mit Volksmusik auseinandergesetzt haben, und aus der Beschäftigung damit, zu neuen Werken inspiriert wurden. Durch seine Praxis als Film-, Bühnen und Musiktheaterkomponist schafft er eine Musik, die beim Zuhörer über ihren musikalischen Gehalt hinaus, auch Bilder und emotionale Stimmungen evoziert. Wichtig ist ihm dabei die Schaffung einer Musik mit erzählendem Charakter. Es eröffnen sich dadurch kaleidoskopartig neue Klangräume, die in ihrer Plastizität Menschen, Landschaften und Geschichten vor dem geistigen Auge des Zuhörers erstehen lassen.

Alexander Kukelka hat darüber hinaus einen sehr persönlichen Zugang zur Bukowina - seine Vorfahren stammten von dort. Die Eindrücke, die das Musizieren seines Großvaters bei ihm hinterließen, waren wesentliche Impulse für dieses Werk. Es war übrigens auch sein Großvater der über den späteren Wohnsitz der Familie in Karnabrunn im Weinviertel sagte: « Das ist ja wie bei uns Zuhause in der Bukowina». So schließt sich aufgrund der ähnlichen tektonischen Beschaffenheit zweier Landschaften, auch der musikalische Kreis.